Wenn man nach dem Rasseln der Werbetrommeln geht, sollten beim erfahrenen Kinogänger sämtliche Alarmglocken schrillen, wenn es um den neuen Will Smith Film I am Legend geht. Kaum eine Zeitung oder Sendung, die nicht mit einem Interview mit dem Hauptdarsteller aufwarten konnte. Dabei ist I am Legend ein wirklich guter Film geworden. Die folgende Kritik ist eventuell etwas spoilerlastig:
Die Geschichte des Films ist nicht der Rede wert und gehört zu jenen, die man in einem Satz zusammenfassen kann: Virus rafft Menschheit dahin, Überlebende kämpfen gegen Zombies. 28 Days later lässt grüßen. Doch am Ende ist es dann doch etwas vielschichtiger. Der von Will Smith verkörperte Robert Neville ist ein gegen das Virus immuner Wissenschaftler, der in seinem Keller ein Gegenmittel sucht, tagsüber durch das verlassene New Yoirk streift, nach einem festen Plan die Stadt abklappert, sich mit Schaufensterpuppen unterhält und nachts dann in seinem Haus vor den Zombies versteckt. Diese sind eine Mischung aus Vampiren und Zombies und äußerst hirnlos. Bis Robert eine von ihnen zu Versuchszwecken kidnappt, dummerweise wohl das „Weibchen“ des Anführers, was bei den Zombies eine Art kollektive Intelligenz entstehen lässt und sie fortan gezielt Robert verfolgen.
Der Film beginnt mit einer solch grandiosen Sequenz, die selbst den abgebrühtesten Kinogänger die Nackenhaare vor Erregung aufstellen sollte: Robert Neville rast mit einem roten Ford Mustang durch die verlassenen Straßen und jagt eine Herde Hirsche. Mit einem Auto. Dem Hund auf dem Beifahrersitz, das MG auf dem Schoß. Was sich geschrieben zugegebenermaßen etwas albern anhört, ist im Film so grandios umgesetzt, dass man die Sequenz nach ihrem Ende (mit garantiertem Schockeffekt) am Liebsten sofort nochmal sehen möchte. Ich erwähnte bereits den Hund. Der Hund ist ein fieser Kniff der Filmemacher. Hätte man Robert nun eine zweite Person zur Seite gestellt oder zumindest ala Cast Away einen Volleyball, es wäre alles nicht so schlimm. Aber der Hund, dieses unschuldige liebenswerte Wesen, mit ihm geht man als Zuschauer eine Bindung ein, die sogar stärker ist als die zur Figur des Robert Neville. Und natürlich muss der Hund sterben. Es ist ein verdammtes ungeschriebenes Gesetz, dass in Dramen jemand sterben muss, der der Hauptfigur am Herzen liegt. Um dieses ausgelutschte Stilmittel kommt leider auch I am Legend nicht herum. Dabei wäre der Film genauso gut gewesen, wenn sowohl Robert als auch Sam, die Schäferhündin, den Film überlebt hätten. Ich wäre mit einem besseren Gefühl aus dem Kino gegangen, aber nein, es bedarf toter Helden, weil es so im ABC der Drehbuchautoren steht. Und dass mir jetzt ja keiner mit der Originalvorlage kommt. Die neuste Interpretation des literarischen Stoffs reduziert die ehemals intelligenten Vampire zu affenähnlichen Zombies mit Imoteph-Gebrüll, mit deren Präsenz es vor allem die zweite Hälfte des Films übertreibt. Viel besser ist da der erste Kontakt zwischen Robert und den Infizierten (den der Zuschauer mitbekommt). Sam rennt einem Hirsch hinterher, der sich in eine dunkle Lagerhalle flüchtet. Robert tickt völlig aus, der Zuschauer weiß an der Stelle noch nicht warum, es dämmert ihm erst nach und nach: Es ist dunkel, hier gibt’s Zombies. Und wie Robert, nur mit der Lampe an seinem Gewehr die Finsternis durchstreift, das ist Suspense-Kino vom Feinsten wie man es in solch einem Blockbuster nicht erwartet hätte, nicht zuletzt wegen der großartigen Leistung Will Smith als Charakterdarsteller.
Was zu den überragenden Schauwerten des Films hinzukommt sind eine handvolle superbe Schockeffekte. Mich hats im Kino schon lange nicht mehr so „grissen“ und es ist immer wieder eine Freude, in einem vollen Kinosaal zu sitzen und gleichzeitig mit hundert anderen Besuchern elektrisiert im Sitz zusammenzuzucken. That’s Entertaiment.
Unterm Strich macht I am Legend bis auf die genannten Kritikpunkte nicht viel falsch, es hätte dem Thema angemessen vielleicht noch eine Idee härter zugehen können und insgesamt ist der Film ob der sich erst gegen Ende entspinnenden Handlung zu kurz (!), aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Wer auf weitestgehend ironiefreie, harte Endzeitthriller steht, Wert auf ein interessantes Setting legt und Will Smith in Höchstform erleben mag, dem kann ich den Besuch wärmstes empfehlen.
6 Kommentare
Schreib auch was!



Ike (der ewige Kritiker)
am 14. Januar 2008Interessant interessant…. Damit steht es unentschieden…
50% der medienbefreiten Meinungen zu dem Film sprechen von einem sehr guten Film, die anderen 50% finden ihn unglaublich langweilig und schlecht gemacht.
Muss ich mir mein eigenes Bild machen? Oder interessierts mich am Ende gar nicht wer recht hat?
Agnes
am 14. Januar 2008Also ich geh hin. Weil ich den Schmid Willi so gern leiden mag. Auch wenn er bei Scientology ist. Der Trottel.
Mardermolch
am 14. Januar 2008Also bitte, der Film ist alles nur nicht langweilig. Da hat wohl einer die beklemmende Atmosphäre der Einsamkeit fehlinterpretiert… Mach Dir ein eigenes Bild, das ist einer der Filme, die im Kino angschaut ghörn.
Und der Schmid Willi ist NICHT bei Scientology, oder? Quellen?
Ike (der ewige Kritiker)
am 14. Januar 2008Hm ok ma guggn…
Doch der Schmidt Willi soll den Scientologen angeblich schon eher nahe stehen… Quelle? http://www.fuenf-filmfreunde.de/2008/01/05/i-am-legend/ (vorletzter Absatz unten)
http://www.viviano.de/ak/News-Prominente/will-smith-21519.shtml
http://www.focus.de/panorama/boulevard/scientology_aid_140014.html
…
wobei wahrscheinlich dann doch wieder net so wirklich… Quelle?
http://www.viviano.de/ak/News-Prominente/will-smith-6258.shtml (die Frau natürlich)
http://www.welt.de/vermischtes/article1434755/Will_Smith_und_die_Sache_mit_Scientology.html
Der Mardermolch » Blog Archiv » Will leben
am 5. März 2008[...] Internet kursiert derzeit ein Video mit dem alternativen Ende der Limited Edition von I am Legend, zu finden hier, allerdings wohl nicht mehr lange. Gefällt mir jedoch um einiges besser als das [...]
Der Mardermolch » Blog Archiv » Helden, Held, Held, Kinder und Boote
am 11. März 2008[...] spannend (Highlight: Der Schacht). Natürlich muss am Ende aber wieder der Held sterben, was ich ja bekanntlich gar nicht ausstehen kann. Und mit Wet-T-shirt von Miss Phantom-of-the-opera Emily Rossum wars leider auch [...]