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Ich gebe zu, ich hatte nicht erwartet, dass das diesjährige Blockbuster-Kino-Programm nach 2012 und Transformers – Die Rache noch einen drauflegen könnte, nach meinem Kinobesuch von Avatar bin ich nun eines Besseren belehrt. Tatsächlich wird der Film all seinen Vorschusslorbeeren und der teilweise schon übertriebenen Werbekampagne mehr als gerecht. Ich habe lange mehr keinen solch faszinierenden Film gesehen. Zumindest was die technische Seite anbelangt. Es wurde ja oft berichtet, Avatar läute eine neue Ära der Spezialeffekte ein. Und verflixt noch mal, das tut er auch. Was sich da auf der Leinwand abspielt sucht schlicht seinesgleichen. Der perfekte Mix aus Computer- und Realaufnahmen. So aus einem Guss, so in sich stimmig, so optisch grandios, das ich es nach einer Stunde Laufzeit aufgegeben habe mich zu fragen, wie die das wohl gemacht haben und mich einfach hab mitreissen lassen. Ich bin jetzt schon gespannt wie ein Flitzebogen auf die hoffentlich ausführlichen Making-Ofs meiner zukünftigen Blueray des Films.
Trotz der massiven Werbung und der vielen Berichterstattungen habe ich es geschafft, ausser dem Trailer keine Infos zum Film vorab zu konsumieren. Doch der Trailer hat wieder mal viel zu viel verraten, wer den kennt, weiß um was es im Film geht und muss kein Hellseher sein um zu wissen wie er endet. Interessant ist aber dennoch das ‚Wie` es zum Happy End kommt. Denn anders als der Trailer noch suggeriert hat, ist Avatar kein Kriegsfilm geworden, sondern eine Art Coming-of-Age oder Selbstfindung in einer Fantasywelt. Der Film erzählt davon, wie der gelähmte Soldat Jake Sully, gespielt von Sam Worthington, auf einer fremden Welt, einen Avatar, also einen künstlichen Vertreter seiner selbst in Form eines Ureinwohners des Planeten Pandora genannt Na’vi, steuert, deren Sitten und Gebräuche kennenlernt. Das Ziel: Eine friedliche Lösung für einen schwelenden Konflikt finden: Menschen sind in das Paradies eingedrungen, um einen wertvollen Rohstoff zu ernten, der sich in großen Mengen ausgerechnet unter dem Dorf der Na’vi befindet. Warum der an sich doch arg konventionelle Stoff vom Aussenseiter, der zunächst widerwillig in eine Gemeinschaft aufgenommen wird, sich nach und nach zum Helden mausert und auch noch das schöne Mädel abkriegt, vermischt mit etwas Öko-Zeigefinger-Moral, funktioniert, ist der phänomenal stimmigen Fauna und Flora des Planeten Pandora zu verdanken. So liebevoll, so wunderschön und klug durchdacht ist das an sich krude Viech- du Pflanzenzeug, dass ich das eigentlich abstruse Setting sofort geschluckt habe. Zwar hat hier alles mindestens 6 Beine und 4 Augen, aber es passt alles, wirkt echt und lebendig. Und als ob der Film sich dessen bewusst wäre, lässt er einen Großteil der satten 166 Minuten Laufzeit einfach nur damit verstreichen, indem er Jakes Wandlung zum Na’vi in dieser fremden Welt zeigt. Und es wird keine Sekunde langweilig.
Probleme bekommt der Film erst gen Ende Und Achtung, anders als in meinen sonstigen Filmbesprechungen komme ich hier ums Spoilern nicht herum.
Wer Avatar noch sehen möchte, liest hier nicht weiter!
So gut mir der Film auch gefallen hat, mit dem Schluss, da hadere ich. Ich hätte mir so sehr eine andere Lösung des Konflikts Mensch /Na’vi gewünscht als einen schnöden Krieg. Da erzählt mir der Film fast zwei Stunden lang von einem Volk, das in Einklang mit seiner Welt lebt, alles eins und alles lebendig ist, so anders als wir Menschen mit uns und unserem Planteten umgehen, und doch fällt den Na’vi am Ende nichts anderes ein als ein schnödes Gemetzel. Versteht mich nicht falsch, die Schauwerte stimmten, die Kinoleinwand erbebt beim abschließenden Gefecht zwischen Mensch und Na’vi, selten habe ich bessere Action gesehen und jedes Star Wars kann hier einpacken. Und doch passt es nicht zum Rest des Films. Es wirkt für mich fast so, als wäre das letzte Drittel ein anderer Film, als hätte sich James Cameron erinnert, dass er hier ja einen Hollywood-Blockbuster dreht. Und so sehr ich sonst auf Krawall stehe, hier hätte ich eine alternative Lösung, irgendwas ala dem Ende von Kill Bill 2, sprich was mutigeres, bevorzugt. Auch das unvermeidliche, irgendwie uninspirierte Abmurksen der Sidekicks in den letzten Filmminuten der Marke „Irgendwer muss jetzt sterben, zwecks der Dramatik“ stößt mir sauer auf. I am Legend lässt grüßen.
Spoiler Ende
Ein Wort noch zum 3D: Sämtliche meiner 3D-Erfahrungen in konventionellen Kinos beruhen auf meinen Besuchen im Aiblinger Kino. Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht so recht, was ich vom neuen 3D-Hype halten soll. Sicher, das plastische Bild ist schon cool (das erste Mal so richtig, wenn Jake in den Dschungel flieht), und wenn man sich daran gewöhnt hat, dass man in schnellen Action-Szenen das jeweils zentrale Bildelement fixieren muss, um nicht alles verschwommen zu sehen, ist das durchaus mitreissend. Das Aiblinger Kino erkauft sich diesen Effekt jedoch mit einem deutlich dunkleren Bild, was der Brille geschuldet ist. Und richtig lupenrein ist das 3D nie, ich stelle es jetzt also einmal ganz allgemein in Frage, werde aber auf jeden Fall noch mal einen Vergleichsfilm (evtl sogar nochmal Avatar) in Rosenheim ansehen.
Fazit: Trotz des faden Beigeschmacks, den die schlussendliche Lösung des Konflikts mit sich bringt, tendiere ich dazu, Avatar als geniales Meisterwerk anzusehen, als einen Film, wie geschaffen fürs Kino, mitreissend, faszinierend und zukunftsweisend.
Nachtrag: Im Rosenheimer Citydome kostet der Film zwar satte 3 Euro mehr als in Aibling, mir kommt die Technik dafür aber einen Tick besser vor, der 3D-Effekt scheint mir klarer. Ist aber subjektiv.

5 Kommentare
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angela
am 21. Dezember 2009Einer der wenigen Filme bei denen ich beim Rausgehen nach guten 2 1/2 Stunden das Gefühl hatte in einer anderen Welt gewesen zu sein. Bei dem Mix aus realer Welt und Fantasy vergißt man nach kurzer Zeit zwischen beiden zu unterscheiden. Botschaft ist, dass der Mensch aus Habgier vor nichts zurückschreckt – aber es gibt doch noch Gerechtigkeit, auch wenn sie teuer erkauft wurde!
Avatar ist auf jeden Fall ein sehenswerter Film, der einen mitreißt und die Zeit vergessen läßt.
FloW
am 21. Dezember 2009All dem kann ich nur zustimmen! Ein sehr gelungener Film.
3D ist wirklich Gewöhnungssache. Gut, dass mich keiner gesehen hat, als ich immer vor den ganzen Funken ausgewichen bin.
Nach den 166 Minuten bin ich mir ohne Brille plötzlich ganz nackt vorgekommen.
Wünsch mir auf jeden Fall mehr davon und mehr Popcorn
Gerda
am 21. Dezember 2009Hab mir am letzten Donnerstag schon im Kino
- Avatar Aufbruch nach Pandora -
auf 3 D reingezogen. Ich muss sagen, das war seit langem wieder einmal ein Stern am dunklen Kinohimmel.
Die Wesen auf Pandora waren für mich gewöhnungsbedürftig. Doch am Ende hab ich leidenschaftlich mit ihnen gegen unsere Spezies gekämpft. Einen Revolver … und ich hätte hemmungslos auf die Kinoleinwand geschossen, um ihre Rasse zu gegen die bösen Buben vom Planet Erde zu verteidigen.
Ja, der Film war einfach gut. Spannend, emotionsreich und er macht auch ein bisschen nachdenklich.
Schaut ihn euch in 3 D an und ihr werdet eintauchen in eine Welt voller Farben …
Leider kein Umzug möglich nach Pandora … ich wär schon da
)
Frank (Tierpension Halle)
am 9. Januar 2010Habe den Film auch letztens angeschaut und dachte sofort etwas wie “da will ich Urlaub machen !”.
Nach längerem Schwelgen kommt man dann drauf, dass es solche Paradiese (wenn man alles zusammen nimmt) ja auf der Erde durchaus gibt. Und dass wir sie uns gerade zerstören.
Wenn diese Message bei mir nicht eh schon angekommen wäre, dann wäre sie es jetzt.
Claude Sägesser
am 25. Januar 2010Ich habe mich bei diesem Film sofort in das Mädel verliebt… und so ein wunderschönes Volk, dass eigentlich eine Lebensweise darstellt, die wir Menschen alle haben sollten. Manchmal frage ich mich, woher Regisseure auf solche Filme kommen, denn dieser Film enthält wunderbare, spirituelle Ansätze und ist erstmals ein Film dieser Art, der’s in’s ganz grosse Kino schafft
. Ich hoffe, es gibt mind. einen zweiten, mind. so guten Teil wie diesen. Ich bin absolut begeistert!