Absonderliche Doublefeatures
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Diesen Beitrag verbrach Andi am 17. Januar 2010 |
Ab und an und viel zu selten gönnen meine Schwester und ich uns einen Geschwister-Kinoabend. Und weil wir beide einen ähnlich schräg gelagerten Filmgeschmack haben, fiel unsere Wahl entsprechend schräg aus: Zwei Filme, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Los ging’s mit
Das Kabinett des Dr. Parnassus

Als Vermächtnis von Heath Ledger beworben, der ja bekanntlich das Ende der Dreharbeiten zu diesem Film nicht mehr erlebt hat, haftet Das Kabinett des Dr. Parnassus ein gewisser Hauch Schwermut an. Nach einigem Hin und Her hat es Terry Gillian mit Hilfe vom Johnny Depp, Jude Law und Colin Farell dann doch noch geschafft, den Film fertigzustellen.
Und das funktioniert so: Dr. Parnassus (Christoph Plummer aka Dumbledore) zieht mit seinem skurrilen, von Pferden gezogenem Wander-Theater durch ein London der Neuzeit. Zusammen mit seiner schönen Tochter Valentina, dem Gehilfen Anton, der heimlich in Valentina verliebt ist und dem kleinwüchsigem Percy schlägt er sich mehr schlecht als recht durch, kaum einer will an den sonderbaren Vorstellungen Paranssus’ teilnehmen. Dabei hätte Parnassus Zuschauer dringend nötig, hat er doch einen Pakt mit dem Teufel um eine gewisse Anzahl Seelen, der Wetteinsatz ist seine Tochter Valentina. Alles scheint hoffnungslos, bis der geheimnisvolle Tony auftaucht, und das Leben der Truppe gehörig auf den Kopf stellt.
Das Kabinett des Dr. Parnassus ist kein einfacher Film. Terry Gillian serviert hier einen Augenschmauss, der optisch irgendwo zwischen Charly und die Schokoladenfabrik und Die Gebrüder Grimm angesiedelt ist. Vieles in der teils wirren Geschichte bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen und Handlungsfäden werden ausgebreitet, aber nicht hinreichend verknüpft (Was hat es mit den Zahlen auf Tonys Stirn auf sich? Welche Rolle spielt Valentina? Was verbindet Tony und Parnassus wirklich?).
Die Optik des Film entfaltet trotz einigen eher unterdurchschnittlichen Spezial-Effekten eine faszinierende Bandbreite an surrealen Szenarien und arbeitet stark mit dem Kontrast zwischen der tristen Realität und der fantastischen Gedankenwelt, die sich immer dann auftut, wenn jemand durch den magischen Spiegel Paranassus in seine eigene Fanatsie tritt. Hier kommen auch die von Depp, Law und Farell gespielten Tonys zum Einsatz und das funktioniert im Kontext der Geschichte tatsächlich wunderbar. Nur am Schluss merkt man, dass Heath Ledgers Tony einfach fehlte, Colin Farell kann diese Lücke nicht ganz schließen.
Fazit: Das Kabinett des Dr. Parnassus eignet sich für experimentierfreudigere Kinogänger der Marke Mulholland Drive-Fan, die sich gerne eigene Gedanken zu einem Film machen und nicht alles vorgekaut haben möchten. Die Optik muss man mögen, mit der anfänglichen Zähheit der ersten 45 Minuten zurechtkommen.

Weiter ging’s mit
Gamer

Auf der Heimfahrt habe ich mit meiner Schwester darüber diskutiert, ob Filme wie Gamer Teil eines mittlerweile eigenen Subgenres sind. Meiner Meinung nach ist Gamer in einer Reihe mit Filmen wie Crank 1+2, Death Race, Transporter oder Shoot ‘em up zu nennen. Schnelle, harte Actionfilme, die sich selbst nicht ernst nehmen und mit enormer Geschwindigkeit extrem kurzweilig erzählt werden.
Die Geschichte von Gamer ist schnell skizziert: in einer nicht allzufernen Zukunft lechzt der Pöbel nach zwei Spielen: in dem einen, Slayer genannt, können sich zum Tode verurteilte Verbrecher die Freiheit erkämpfen, indem sie sich von Spielern wie in einem Ego-Shooter steuern lassen (mittels Mikrochip-Zellen im Gehirn, eh klar…). Das andere Spiel nennt sich Socitey und ermöglicht es den Nutzern, die Kontrolle über andere Menschen zu übernehmen (die sich freiwillig dafür zur Verfügung stellen) und diese wie in einem Second-Life-ähnlichem Spiel zu steuern.
Kable, verkörpert von Gerald Butler (Leonidas aus 300), ist einer der Spielfiguren in Slayer (natürlich ist er unschuldig) und will raus, um seine Frau zu retten, die sich als Hure in Society verdingen muss.
Das Schöne an Gamer ist seine Kompromisslosigkeit. Der FSK18-Freigabe gedankt geht es angenehm ruppig zu, und auch an nackter Haut wird nicht gespart. Die ganze Suppe wird gewürzt mit etwas Sozialkritk der Marke „Realitätsflucht in virtuelle Welten“, diese hält sich aber bei all dem Krawall, den blanken Brüsten und dem Blut dann doch eher im Hintergrund. Man merkt dem Film in jeder Minute Laufzeit an, dass hier die selben irren Typen am Werk waren, auf deren Konto bereits die beiden Crank-Filme gehen. Extrem schnelle Schnitte und eine wackelfreudige Kamera bringen jeden Epileptiker bestimmt an den Rand des Komas, die Witze sind derb und auch an kuriosen Einfällen wie einer Tanz- und Gesangseinlage des Fiesewichts wird nicht gespart. Allerdings ist Crank 2 noch einen Tick abgehobener als Gamer.
Fazit: Wer auf schnelle und doofe Actionfilme der Marke Crank und Death Race steht und sich nicht mit ausgefeilten Plots oder Figuren rumschlagen will, ist bei Gamer bestens bedient. Wer so wie ich mit Counter Strike und Co. aufgewachsen ist, findet zudem viele nette Anspielungen und tut sich leichter mit dem ganzen (teilweise grauenvoll in die deutsche Übersetzung gemischtem) Fach-Kauderwelsch.

Dazu hat noch keiner was gesagt
Schreib auch was!


