Sissi und Franz in Wien
|
|
Diesen Beitrag verbrach Andi am 12. Dezember 2008 |
Die Südsee hätte es werden sollen, alles, wozu die Zeit gereicht hat, war dann am Ende ein Kurztripp nach Wien. Und nun sitze ich hier, zwischen Bergen von Arbeit, pflege meine Erkältung, sichte das Fotomaterial der letzten Tage und beschließe, einen kleinen Bericht über das Erlebte zu verfassen.
Die Reise begann am Montag um 5 Uhr morgens. Selten bin ich entspannter gereist, denn in Österreich war Feiertag (Maria Empfängnis) und die Autobahnen dementsprechend leer. Stundenlang waren wir fast alleine auf den Straßen. Erst gegen 9 Uhr füllten sich die die Autobahnen wieder mit all jenen, die den freien Tag, angefeuert von euphorischen Radiomoderatoren, die dieses Prozedere einmal verfluchten, einmal begrüßten, für gepflegte Shopping-Tiraden nutzen wollten.
Gegen 10 Uhr erreichten wir unser Hotel, checkten ein und weiter gings gen Wiener Innenstadt. Erste Station war die Wiener Hofburg und deren Hofreitschule. Bei letzterer bekamen wir wider Erwarten einen Platz in einer der begehrten Führungen und schon befanden sich Marie und Andi inmitten von 72 weißen Lipizzaner-Hengsten, lauschten den Anekdoten über die seltsamen Riten der Schule (so werden die Pferde beispielsweise wie Angestellte behandelt, haben Anspruch auf Urlaub und Pension), stellen mehr oder weniger sinnvolle Fragen und rochen im Anschluss irgendwie streng.
Gegen Mittag zog es uns auf den berüchtigten Naschmarkt. Hier fühlten wir uns dann doch ein bisschen als hätte es uns weiter in den Süden verschlagen, denn den Naschmarkt muss man sich wie eine lange Marktstraße vorstellen, in der die Händler lautstark ihre Waren feil bieten, handeln oder ihre Speisen verkosten lassen.
Hier begann meine Liebe zu den scharfen Wasabi-Nüssen. Ein Gedicht, sag ich Euch.
Vom dann doch eher rustikalen Naschmarkt gings weiter in die Fußgängerzone, mitten hinein in den Trubel des umsatzstärksten Tages der österreichischen Vorweihnachtszeit. Und man möchte es nicht für möglich halten, ich habe tatsächlich einen Hut gefunden und gekauft. Einen schönen Hut, wohlgemerkt.
Außerdem habe ich einen fantastischen kleinen Comic-Laden entdeckt, in dem ich wahre Schätze für mein Sammlung gefunden und viel Geld da gelassen habe.
In Wien gibt es bestimmt 20 und mehr Christkindl-Märkte. Allein sechs davon befinden sich zwischen dem Stephansdom und dem Rathaus, wobei letzterer zum schönsten gehört, was ich in dieser Richtung bislang sehen durfte. Christkindlmarkt stand aber erst am nächsten Tag auf dem Programm, also suchten wir uns ein nettes kleines Restaurant in einer Seitengasse, wo wir den Tag ausklingen ließen.
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Kultur. Erster Halt war Schönbrunn, wo wir uns ein sogenanntes Winterticket kauften, das uns Einlass in den Zoo, das Schloss, das Tropen- und das Wüstenhaus gewährte.
Der Wiener Zoo ist angeblich der älteste Zoo der Welt. Sichtbar wird das an den schönen alten Gebäuden und Pavillons, die man dort überall findet. Der Zoo ist auf jeden Fall einen Besuch wert, irgendwie nimmt man es dort nicht so streng wie beispielsweise in Hellabrunn. Es gibt da z.B. ein Affenhaus mit frei laufenden Affen, viele Tierbabies (Eisbären, Tiger etc) und eine liebevoll gepflegte Anlage.
Schloss Schönbrunn kann sich wahrlich sehen lassen, innen wie aussen. Der Erhabenheit konnten nicht mal meine Sissi-Parodie-Versuche etwas anhaben. Ebenfalls empfehlenswert ist die Audioguide-Tour durch das Schloß, auch für Führungs-Muffel wie ich es einer bin.
Auch hier kam mir alles sehr viel entspannter vor. Kein Aufseher, der einem ständig auf die Finger schaut und auch kein Zeitdruck.
Vor dem Schloß stärkten wir uns im dortigen Christkindlmarkt mit Käsebrot und Mohn-Nudeln.
Das Tropenhaus und das Wüstenhaus schließlich ist eher was für Botaniker und Pflanzenfans, kann man sicher aber gut ansehen.
Ich muss an dieser Stelle mal die Freundlichkeit der Wiener hervorheben, von der sich die Münchner ein gehöriges ‘Scheiberl’ abschneiden dürfen. Egal wen man wo und zu welcher Tageszeit nach Auskunft, Rat oder dem Weg fragt, immer bekommt man freundlich und kompetent Antwort. Das ist eines der Dinge, die ich von diesem Ausflug mit nach Hause nehme. Mein tiefer Respekt dafür.
Als es dunkelte fanden wir uns dann am Christkindlmarkt am Rathaus ein, der wie oben bereits angedeutet, wunderschön ist. Am Fuße des Rathauses, dessen Fenster ein Adventskalender sind, schmiegen sich zahlreiche Buden mit allerlei Tand zum Kaufen und noch mehr Schmankerln zum Essen. Die Bäume im Park sind mit Lampignons geschmückt, überall gibt es Karussells und Attraktionen für Kinder. Wunderschön und atmosphärisch.
Den zweiten Tag beschlossen wir ordnungsgemäß in einem Heuriger mit einem guten Weinderl.
Der dritte und letzte Tag schließlich führte uns zunächst auf den Wiener Prater. Ich konnte mir darunter bislang nichts vorstellen, schon gar nicht, dass es sich hier um einen gigantischen Vergnügungspark handelt, der zwar jetzt im Winter nur einschränkt mit geöffneten Attraktion aufwarten konnte, aber immerhin noch genug aufbot, um sich dort ein wenig zu zerstreuen. Also fuhren wir natürlich mit dem legendären Riesenrad, das einen feinen Blick über die Stadt bietet, und lösten einen Mordfall in der Ausstellung/Show CSI: The Experience.
Eine Pizza, eine Käsebockwurst und eine Straßenbahnfahrt standen wir vor dem „Hundertwasser-Village“, einer kleinen Straße mitten in Wien, deren Architektur so gar nicht zum Rest der Stadt passen wollte. Hier hat sich der Künstler Friedensreich Hundertwasser ausgetobt, dessen Anspruch es war, Architektur mit Natur zu vereinen. Deshalb gibt es hier keine Ecken, keinen ebenen Boden, sondern bunte Farben, geschwungene Linien, und Gärten auf Dächern und Terrassen.
Anstelle des Museumsbesuchs gönnten wir uns aber dann „nur“ eine große Tasse Tee.
Zum Abschluss suchten wir noch einmal den Naschmarkt auf, wo wir uns für die Heimfahrt mit Süßigkeiten und Antipasti eindeckten. Eine ruhige Heimfahrt, inklusive Zwischenstopp in Salzburg, später waren wir um die Erkenntnis reicher, dass Wien eine schöne Stadt ist, nicht unbedingt billig aber auch nicht teuer (die 95 € für die Fiaker-Fahrt mal aussen vor), sehr multikulurell, freundlich, laut und belebt.
Auf jeden Fall ist es eine weitere Reise wert, dann aber im Sommer. So schön es in der Weihnachtszeit dort auch sein mag.
1 Kommentar
Schreib auch was!



Ike (der ewige Kritiker)
am 15. Dezember 2008Ich durfte anfang letzten Jahres (die Zeit verfliegt, ja leck!) ein Wochenende in Wien verbringen, begleitet und geleitet von einer tollen Frau & Freundin aus eben Wien und mein Eindruck deckt sich absolut mit deinem, Andi. Auch ich habe die Stadt und die Leute als mutlikulturell, freundlich und lebendig erlebt (und dieser Dialekt!!! Ur leiwand!!! Ich liebe ihn…). Interessanterweise sehen das die Wiener selbst genau andersrum, Bekannte aus Wien schwärmen von München, lieben unsere Weltstadt mit Herz und sprechen ihr dieselben Eigenschaften zu, sehen sie aber in ihrer Heimat wiederum nicht. Komisch irgendwie, aber anscheinend besteht schon immer eine gewisse Grundsympathie zwischen beiden Städten.