Die Demontage einer schönen Frau.
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Diesen Beitrag verbrach Andi am 14. Juni 2007 |
Eigentlich ist es viel zu heiß für lieblichen Minnegesang. Dummerweise teilt der Professor meine Meinung nicht und vertieft sich gerade in die schwülstigen Tiefen mittelalterlicher Liebesprosa. Ich lasse meinen Blick durch den Raum schweifen, Hirn und Motorik stellen ob der Hitze den Betrieb ein.
Die Augen bleiben an einer Blondine hängen. Gewisse Neuronen im Hirn sondern einen verwunderten Impuls ab: Blondinen passen nicht ins Beuteschema, sagen sie. Dieselben Neuronen beschließen allerdings unmittelbar im Anschluss, dass es das Thema nicht
wert ist, das Gehirn aus dem Ruhemodus wieder hochzufahren.
Die Blondine (ich weiß nicht wie sie heißt, deswegen wird sie auch im späteren Verlauf des Textes nie anders als nur „Blondine“ genannt werden) gefällt mir seltsamerweise. Sie ist das, was man allgemein als sportlich bezeichnen würde. Keine Schönheit im eigentlichem Sinne, aber ausgestattet mit einer groben Wildheit von der eine vereinnahmende Faszination ausgeht, als wäre dieses Weib gerade aus dem Urwald gesprungen nachdem sie einen Puma erlegt hat. Mit bloßen Händen. Ihre hohen Wangenknochen und ihre gerade kleine Nase lassen ihr Gesicht seltsam weich wirken, die Augen stechen wie zwei Smaragde hervor, gestochen scharf, aufmerksam. Sie hat Sommersprossen, was ich bei Frauen sehr schätze, und unter dem Tisch ragen lange Beine hervor, deren Füße in Ballerinas stecken. Ich mag Ballerinas, sie lassen Frauen schutzbedürftig wirken, das weckt den Mann in mir. Ich überlege mir, was am anderen Ende der nackten Beine sein mag, einsehen kann ich es nicht, der Tisch ist im Weg. Es muss aber wohl eine sehr kurze Hose oder ein Röckchen sein. Beides nicht schlecht. Wenn sie sich nach vorne beugt, um irgendwas in ihr Notizheft zu kritzeln, kann man tief in ihren Ausblick sehen. Und sie hat einen transparenten BH, der Kenner und Genießer erkennt das sofort.
Mein Bios sendet den Befehl _observeobject ans Großhirn und es werden Kapazitäten für unauffälliges Beobachten freigeschaufelt.
Mein Blick wandert zurück zu ihren Beinen. Will mich grad in der Gazellenartigkeit selbiger verlieren, da entdecke ich sie. Heerscharen. Blonde lange Haare. Sie bedecken die auf den ersten Blick wohl perfekt anmutenden Stelzen wie ein Pelz! Ob die Sache mit dem Puma wohl doch nicht so weit her geholt war? Das würde auch die zahlreichen Striemen und Kratzer erklären. Was macht diese Frau in ihrer Freizeit? Kampfhunde züchten?
Etwas schaudernd wende ich mich wieder dem Gesicht der Blondine. Das wird verdeckt. Von Ihrer Hand. Und sie muss hungrig sein, denn sie beginnt nun unablässig, an ihren Fingern und den Nägeln daran zu knabbern. Dementsprechend sehen diese dann aus. Zumindest da, wo sie noch welche hat, denn größtenteils sieht man an den einzelnen Fingern nichts Weißes von den Nägeln mehr. Na dann Mahlzeit. Wenn sie nicht gerade an einem ihrer Finger kaut, popelt sie sich damit in der Nase herum um anschließend, wie gut dass ich noch nichts gegessen habe, wieder genüsslich an den Fingern zu saugen.
Durch die Schüttelfröste, die meinen Körper durchbeben, fängt mein Gehirnmotor wieder zu arbeiten an. Die Liste der Unzulänglichkeiten wird immer länger, sie hat ein Federmäppchen wofür ich mich schon in der ersten Klasse geschämt hätte, zeigt ihrer Nachbarin eine Geldbörse, in der ich ein Foto eines Gangster-Rappers, der wohl ihr Freund ist, ausmache und sie schneutzt sogar noch lauter als ich das tue.
Von stillem Grauen gepackt starre ich fasziniert zu ihr hinüber als sie aufsteht, um aufs Klo zu gehen. Ich hatte recht mit meiner Vermutung. Sie hat eine Hose an. Aber diese sieht aus wie eine ausrangierte Boxershort von mir, aufgeplustert und mit Streifen (ich habe sie ausgemustert, weil jede Frau bei deren Anblick augenblicklich in tiefste Ohnmacht fallen würde, und das nicht aufgrund übermächtiger Erregung…), sie sieht aus wie ein Clown. Da retten auch die Ballerinas nichts mehr.
Memo an mich: Das nächste Mal, wenn ich eine schöne Frau sehe, streife ich sie mit einem schnellen Blick, fantasiere mir den Rest der Observation dazu und schlafe lieber eine Runde. Alles andre ist mir zu desillusionierend.
6 Kommentare
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Ike (der ewige Kritiker)
am 14. Juni 2007Dein Memo ist ein guter Plan.
DailyAgnes
am 14. Juni 2007So darfst du gar nicht denken, geschweige denn sowas auch noch schreiben! Was soll denn die Melanie denken?!
Ike (der ewige Kritiker)
am 14. Juni 2007Wenn sie das liest, sollte sie froh sein, dass ihr Freund net so tut, als wäre er kein Mann und würde nicht andere Frauen anschauen.
Nur weil jemand eine Axt anschaut, haut er ja nicht gleich wem die Rübe damit runter…
Andi
am 14. Juni 2007Da nimmt mir der gute Ike das Wort aus dem Mund.
Melanie
am 14. Juni 2007DANKEDANKEDANKE liebe Agnes!
Andi
am 15. Juni 2007Sollte vielleicht dazusagen, dass diese Geschichte natürlich eine Geschichte ist. Also fiktiv, weder gibts so eine Blondine in meinem Seminar, noch habe ich diese Beobachtungen an einer einzigen Frau gemacht. Ist vielmehr ein zusammengemixter Erfahrungspool mehrerer Jahre.